Trainingsangebot

Wushu / Gongfu

Die ideale Gelegenheit für jederman sich sportlich auszugleichen, den eigenen Körper und seine Möglichkeiten kennenzulernen.

 

Durch Dehnung und Bewegung über die eigenen Grenzen hinauszugehen, Selbstvertraunen zu bekommen und Geschicklichkeit zu üben. Anfänger und auch Fortgeschrittene sind gerne gesehen.

 

 

Ab 3 Jahren!

Taiji / Qi Gong

Der ruhige Weg für einen ausgeglichenen Körper. Die Bewegungen sind harmonisch und tief mit Energiearbeit verwurzelt.

 

Die Stunde ist ausreichend um sich ein geeignetes Basiswissen anzueignen und es anschließend zu vertiefen. Geeignet für Jugendliche und Erwachsene.

 

 

 

Ab 14 Jahren!

Qingda / Sanda

Qingda ist die leichte Variante des Vollkontakt-Kampfes Sanda. Hierbei wird gezielt auf saubere Techniken und ein kontrolliertes Maß an Kraft im Zweikampf geachtet. Dazu gehören auch Wurf- und Falltechniken, neben dem Ausdauertraining.

 

Während des Unterrichts werden auch Regelwerk und Punktevergabe vermittelt.

 

Ab 12 Jahren!

 

 

Wettkampf / Show

Unser Verein tritt mehrfach im Jahr bei verschiedensten Anlässen professionell auf. Diese Shows beinhalten alle Aspekte des Trainings.

 

Mindestens 2x pro Jahr treten die fähigsten und interessiertesten Sportler des Verein auf Landes- und Bundes-meisterschaften an.

 

Unser Verein zählt zu den erfolgreichsten Teams Deutschlands.

 

Je nach Leistungsstand!

Grundlagen des Wushu sind nicht nur körperliche Aktivität und Schulung der motorischen Fähigkeiten  Ausdauer, Flexibilität, Koordination, Kraft und Schnelligkeit, sondern beinhalten auch Grundtugenden wie Höflichkeit, Durchhaltevermögen und Disziplin. Vor allem auf diese Tugenden wird geachtet und viel Wert gelegt, denn sie sind nicht nur Voraussetzungen für ein erfolgreiches Training, sondern helfen auch im täglichen Alltag abseits der Sporthalle den Weg zu meistern.

 

 

Unsere bisherigen Erfolge seit der Vereinsgründung 2011 sind:

  • NRW Wushu Landesmeister: 2012 (6x Gold, 2x Silber, 1x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meister: 2012 (5x Gold, 4x Silber, 4x Bronze)
  • Weihnachtscup: 2012 (6x Gold, 5x Silber, 5x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2013 (10x Gold, 6x Silber, 6x Bronze)
  • Teilnahme der Europameisterschaft 2013 in Rumänien (1x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meister: 2013 (6x Gold, 5x Silber, 3x Bronze)
  • Integrationscup 2013 (4x Gold, 1x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2014 (26x Gold, 6x Silber, 2x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meister: 2014 (7x Gold, 7x Silber, 7x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2015 (4x Gold, 5x Silber, 3x Bronze)
  • NOD Wushu Meister: 2015 (1x Gold, 2x Silber)
  • Teilnahme der Europameisterschaft 2015 in Bulgarien
  • Deutsche Wushu Meister: 2015 (6x Gold, 4x Silber, 4x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2016 (8x Gold, 7x Silber und 5x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meister: 2016 (10x Gold, 3x Silber und 4x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2017 (6x Gold, 7x Silber, 3x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meister: 2017 (6x Gold, 5x Silber und 2x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2018 (12x Gold, 3x Silber, 3x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meister: 2018 (6x Gold, 5x Silber, 1x Bronze)
  • Dragon Cup 2018 (2x Gold, 2x Silber, 2x Bronze)
  • NOD Wushu Meister: 2019 (10x Gold, 4x Silber, 1x Bronze)
  • Teilnahme der Europameisterschaft 2019 in Russland (2x Silber, 1x Bronze)
  • NRW Wushu Landesmeister: 2019 (18x Gold, 22x Silber, 10x Bronze)
  • Deutsche Wushu Meisterschaft: 2019 (9x Gold, 9x Silber, 10x Bronze)

 

Gesamtzähler: 168x Gold, 115x Silber, 79x Bronze

 

Was ist Wushu?

Dieser Frage wurde schon oft nachgegangen. Hier ein Auzug aus der Bachelorarbeit von Kai Hoffmann, abgegeben im Wintersemester 2019/2020 an der Universität Duisburg-Essen. Die Arbeit behandelt eine "Explorative Studie zu den Chancen und Grenzen für Wushu im Schulsport":

 

1. Begriff

Wushu besteht aus den beiden chinesischen Worten „Wu“, was übersetzt Kampf bzw. Krieg bedeutet, und „Shu“, was für die Technik steht. Wushu ist der Oberbegriff für alle chinesischen Kampfkunstarten. Darunter fallen die folgend beschriebenen Kung Fu, Taiji, Qi Gong, Sanda und Qingda. Zwar kann man einzelne Stile noch nach „modernen“ und „traditionellen“ Stilen differenzieren, da sich aber beide Richtungen im Schulunterricht kombiniert vermitteln lassen, wird dies nur kurz betrachtet.

Kung Fu, auch Gong Fu genannt, bedeutet aus dem chinesischen übersetzt so viel wie harte und mühevolle Arbeit. Gemeint ist die Arbeit am und mit dem Körper. Das Training besteht überwiegend aus Schulung der fünf konditionellen Fähigkeiten Koordination, Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Flexibilität, welche die Grundlage für die folgenden  technischen Übungen darstellen. Diese Art des Trainings wird als „Äußere Stile“ beschrieben, die relativ einfach und ohne viele Vorkenntnisse zu erlernen sind. „Äußere Stile“ deshalb, da man mit äußeren Einflüssen, wie Bewegungen, Partnern und / oder Gewichten, auf den Körper einwirkt. Die Techniken bestehen aus Schlägen, Blöcken, Tritten, Schritten und Sprüngen gegen imaginäre Gegner, also nicht mit Kontakt zum Übungspartner (Lind, 1999, S. 188).

Taiji, hier in Deutschland eher als Tai Chi bekannt, wird wie das Kung Fu durch Bewegungen, allerdings in viel niedriger Geschwindigkeit, ausgemacht. Es bezieht sich mehr auf die „Innere Arbeit“ des Körpers und Vervollkommnung der Bewegungen durch Atmung. Taiji und Qi Gong werden als „Innere Stile“ beschrieben, da die Aufmerksamkeit bei den Übungen mehr auf die innere Energie des Körpers gelegt wird. Um die inneren Stile sicher und ablenkungsfrei trainieren zu können, ist eine Vorerfahrung der äußeren Stile hilfreich. Bewegungen sind dann einfacher und schneller erlernbar, und es ermöglicht eine bessere Konzentration auf die Verbindung von Atem und Bewegung (Lind, 1999, S. 582).

Von der traditionellen Basis der Kung Fu und Taiji Stile wurden 1959 die „modernen Stile“ abgeleitet. Dies geschah zur besseren Bewertungsgrundlage auf Wettkämpfen und zur Vereinfachung der unzähligen Stilrichtungen. Es entstanden Bewegungsformen welche Kernbewegungen für Kung Fu- und Taiji-Stile enthielten. Sie wurden als standardisierte Formen bezeichnet. Im Taiji unterscheidet man bis heute zwischen traditionellem und modernem Taiji. Als Kung Fu werden heutzutage nur noch die traditionellen Stile bezeichnet. Die standardisierten Formen sind als „modernes Wushu“ bekannt (IWuF, 2019, „Über IWuF“, abgerufen von http://www.iwuf.org/about-iwuf/).

Die Vielfältigkeit von Wushu macht den Umgang mit der Terminologie schwierig und führt oft zu Verwechslungen, ob der standardisierte Stil (modernes Wushu) oder Wushu als ganze Kampfkunst gemeint ist. Um diese zu vermeiden, wird Wushu in dieser Arbeit verwendet, um die Kampfkunst zu beschreiben und Kung Fu, unabhängig ob der moderne oder traditionelle Bewegungsstil, auch als solches betitelt.

Qi Gong ist die Arbeit mit der Lebenskraft, dem Qi. Hierbei geht es nicht um ausdauernde, lange Bewegungsabfolgen. Vielmehr ist es das Ziel die körpereigenen Energien durch Konzentration zu lenken und seinen Körper dadurch zu stärken, oder zu heilen. Das Training findet überwiegend im Stehen und ohne größere Bewegungen statt (Aguilar, 2008, S. 19, sowie Lind, 1999, S. 484).

Neben diesen kontaktarmen Wushu-Sparten gibt es die Zweikampfformen des Sanda (Vollkontaktkampf) und Qingda (Leichtkontaktkampf). Dabei geht es darum, sein Gegenüber durch Schläge, Würfe und Tritte von einem Podest herunter oder zu Boden zu bringen.

 

 

Abbildung 1: Zusammenhänge des Wushu (eigene Darstellung)

 

Unabhängig davon welche Richtung des Wushu praktiziert wird, werden grundlegende Kampfkunsttugenden vermittelt und befolgt. Ähnlich dem Wort Wushu, ist „Wude“ aus chinesischen Worten „Wu“ (Krieg / Kampf) und „De“, der Tugend bzw. dem natürlichen Verhalten im richtigen Moment, zusammengesetzt. Damit werden grundlegende moralische Werte beschrieben, die im Zusammenhang mit den chinesischen Kampfkünsten stehen.

Man kann sagen, dass fast jede Kampfkunst ihre eigenen Tugenden hat. Sie wurden teilweise von den Gründern der Stile überliefert, teilweise sind sie vom jeweiligen Meister ausgewählt worden. Selten sind diese Tugenden aufgeschrieben worden, denn sie wurden oft mündlich weitergegeben. [...] Man unterscheidet die Tugenden des Geistes und die Tugenden der Handlung.“ (Lind, 1999, S. 658).

Zusammengefasst lässt sich formulieren, dass es immer um Werte wie Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit, Umgangsformen wie Respekt, (Selbst)Vertrauen und Tapferkeit im täglichen Umgang miteinander geht. Das ist der eigentliche Kerngedanke beim Praktizieren der Kampfkünste.

 

2. Historie

Die chinesische Kampfkunst Wushu ist im Westen eher als Kung Fu bekannt. Sie ist eines der weltweit größten kulturellen Schätze. „Das ganze Kung Fu wurde unter der Sonne des Shaolin Tempel kreiert“, wurde immer schon gesagt, wenn es um den Ursprung aller Kampfkunstarten in China ging (Fang, 2005, S.4).

Über den exakten Ursprung des Kung Fu gibt es keine authentischen Nachweise, sondern man ist auf mehr oder weniger glaubhafte Legenden und traditionelle Überlieferungen angewiesen. Obwohl die ausgezeichnete Geschichte der Chinesen bis zu den Kaisern des dritten vorchristlichen Jahrhunderts zurückreicht, ist es nicht möglich bis zu den wirklichen Quellen vorzudringen. Das, was über die Urform in der chinesische Kampfkunst bekannt ist, was sich aus Legenden, der Literatur und Geschichte herausschälen lässt, ist immer schon das Ergebnis einer komplexen Entwicklung.

Eine populäre Legende zum Beispiel berichtet, dass der Ursprung des Kung Fu in der ältesten Kunst des medizinischen Wissens zu suchen ist und beruft sich dabei auf das „Buch der Inneren Medizin“, das dem Kaiser Hung Ti (etwa 2800 v. Chr.) zugeschrieben wird. In diesem Buch sind erste Atemübungen und Gesundheitsprinzipien beschrieben, die denen des „chinesischen Boxens“ ähnlich sind (Fang, 2005, S.4).

Ohne Bodhidharma, einen indischen Mönch, hätte es keine Shaolin Legende gegeben. Er kam über den Himalaya von Indien nach China, ließ sich auf Grund der wundervollen Landschaft im Shaolin Tempel nieder und gründete die Mahayana Sekte des Buddhismus, die heute als Zen-Buddhismus bekannter ist.

Diversen Quellen nach saß er neun Jahre in einer Höhle auf dem Berg Song und meditierte regungslos. Als er aufstand, hinterließ er einen Schatten an der Wand (vergl. Pabst, 1976, S.14). Diese Höhle dient heute noch als ein wesentliches Pilgerziel für Buddhismus- und Kung Fu-Enthusiasten.

Nach der langen Meditation hat Bodhidharma diverse Atem- und Bewegungsübungen entwickelt, um die durch lange Meditation sitzenden Mönche körperlich zu stärken und widerstandsfähiger für den Alltag des Tempellebens zu machen. Diese Bewegungen wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Meditationsschule des Zen. Als er eines Tages den Kampf eines Affen mit einer Fangschrecke beobachtete, entwickelte er daraus erste Block-, Schlag- und Tritttechniken, die heute als Tier-Imitationsstile bekannt sind. Dies war die Geburtsstunde des Kung Fu, welches sich bis heute um zahlreiche Stile und Arten erweitert hat (Czerni, 2011, S.13).

Auch wenn die Mönche ein grundlegend friedliches und gewaltloses Leben führten, wurde der Tempel über die Jahrhunderte immer wieder Ziel von kriegerischen Auseinandersetzungen und Überfällen. Aus diesem Grund wurde beschlossen eine Gruppe von Mönchen zur Verteidigung des Tempels und zum Schutz der Bewohner zu trainieren, die so genannten „Soldatenmönche“ (Filipiak, 2001, S.40).

In der späten Sui und frühen Tang Dynastie (um 620 n.Chr.) bat der Kaisersohn Li Shimin die Mönche um Hilfe, ihn vor dem grausamen General Zheng zu beschützen und ihn aufzuhalten das Volk zu unterdrücken und zu quälen. Der Legende nach sendete der Tempel 13 Mönche aus, welche siegreich zurückkehrten. Nachdem Li Shimin zum ersten Kaiser der Tang Dynastie gekrönt wurde, kehrte er zum Tempel zurück und belohnte die Mönche mit einem Erlass über 260 Hektar Land, dem heutigen Areal des Tempels. Dieser Erlass des Kaisers wird heute noch im Tempel aufbewahrt. Auch für die Ming Dynastie (1368 bis 1644) gibt es Aufzeichnungen darüber, dass der regierende Kaiser die Shaolin Mönche in mehreren Situationen für die Beendigung von Konflikten einsetzte (Filipiak, 2001, S.37).

Über eine lange Zeitperiode war das Kung Fu nur unter den Mönchen im Tempel verbreitet. Es wurde der Welt erst preisgegeben, nachdem die 13 Mönche den Tang Kaiser gerettet hatten und Shaolin Kung Fu dadurch zu einem umfangreichen Kampfkunstsystem wurde, was auch an Leihen-Schüler weitergegeben wurde, die nicht dem Tempel angehörten (Aguilar, 2008, S.17).

In den folgenden Jahrhunderten gab es dutzende kleine Tempel in ganz China und Shaolin wurde zu einem Zentrum für den Austausch von Kultur, buddhistischer Religion und Kampfkunst. Seit dieser Zeit ist es üblich, dass die Mönche von Shaolin im großen Rahmen Kung Fu trainieren und es weitergeben. Während der Tang und Song Dynastien kamen viele weltliche Studenten zum Tempel, um die Kampfkünste der Mönche zu lernen. Daraus entstanden dann viele Stilrichtungen und Arten des Kung Fu, die bis heute als „Familienstile“ an Studenten aus der ganzen Welt weitergegeben werden (Fang, 2005, S.17).

Durch die häufige Beteiligung der Mönche an Konflikten und Einsätzen als eine Armeekompanie für diverse Herrscher wurde das Shaolin Kung Fu so groß, dass der Kaiser schließlich eine Gefahr in den kämpfenden Mönchen sah, und den Tempel von ausländischen Armeen zerstören ließ (etwa 1912). Auch in der chinesischen Kulturrevolution (1966 bis 1976) wurden viele Aufzeichnungen im und über den Tempel vernichtet, wodurch viele Informationen über den frühen geschichtlichen Zeitraum des Tempels nur mündlich überliefert werden konnten. Ein Großteil der Geschichte des Kung Fu und der Shaolin ging in den Auseinandersetzungen verloren (Fang, 2005, S.19).

Trotz dieser erheblichen Verluste des kulturellen Gutes kamen der Shaolin Tempel und das Kung Fu zu einem Comeback, nicht zuletzt durch die Shaolin Tempel Filme, in denen Jet Li 1982 sein Leinwanddebüt gab, oder Kung Fu Berühmtheiten wie Jackie Chan und Bruce Lee.

Niemand weiß wie viele Geschichten es über Kung Fu und Shaolin gibt, für Kung Fu Fans und Sportler jedoch gibt es auf der Welt keinen bekannteren Ort als den Shaolin Tempel, dessen Geschichte immer auch die Entwicklung und den Werdegang des Kung Fu widerspiegelt.

Mit der Gründung der Volksrepublik China 1949, wurde Wushu eine offizielle Sportart in China und in das chinesische Wettkampfprogramm aufgenommen, was mit  jährlichen national durchgeführten olympischen Spielen vergleichbar ist. 1958 wurde die Chinesische Wushu Federation (CWA) mit dem Ziel gegründet, allgemein gültige Wushu Wettkampfregeln und Standards für alle Wushu-Schulen im Land zu etablieren. Dies hatte auch zur Folge, dass an jeder Universität eine Fakultät für Wushu-Sport eingeführt wurde. Im Jahr 1979 hat das Sportministerium Chinas eine Gruppe von Kampfkunst Spezialisten beauftragt ein schriftliches Werk in Form einer Enzyklopädie, basierend auf jedem existierenden Wushu Stil, zu erstellen. Das Forscherteam schaffte es in sechsjähriger Arbeit, rund 500 verschiedene Wushu-Schulen und -Stile auf ein Videoband zu bringen und veröffentlichte ein Kompendium von Wushu-Meistern,          -Routinen und -Stilen sowie ein "Wörterbuch der Wushu-Stile", in dem alle verwendeten Wushu-Techniken aufgeführt wurden.

1986 wurde das „Wushu Research Institut“ gegründet, um Lehrmaterial für Trainer zu erstellen und zu verbreiten. Noch heute kommen Meister und Trainer dort zusammen, um sich regelmäßig auszutauschen. Das Institut wurde zusätzlich mit der Zusammenstellung von Lehrmaterial für Wettkampfrichter und deren Ausbildung beauftragt und dafür verantwortlich gemacht. Heute gibt es das „Wushu Research Institut“ nicht mehr innerhalb des nationalen chinesischen Wushu Dachverbandes (CWA), sondern es wurde der „Internationalen Wushu Federation“ (IWuF), dem höchsten Wushu Fachverband, unterstellt.  Diese wurde 1991 gegründet und ist Mitglied des „Internationalen Olympischen Komitees“ und der „Global Association of International Sports Federations“ (Muzrukov, 2004, S.15).

 

3 Bei kommerziellen Anbietern (Vereinen)

In Deutschland sind das Kung Fu und alle anderen Unterarten des Wushu von der „Deutschen Wushu Federation (DWF)“ organisiert. Diese ist Mitglied der „Europäischen Wushu Kung Fu Federation (EWuF)“, welche wiederum der „Internationalen Wushu Federation (IWuF)“ angeschlossen ist. Diese höchste Verbandsstruktur, die IWuF, hat Mitglieder aus 155 Ländern auf allen 5 Kontinenten der Erde, die Wushu bzw. Abarten davon trainieren (http://www.iwuf.org, 2019).

Seit der IWuF Gründung 1991 wurde über eine Integration von Wushu bei den olympischen Sommerspielen verhandelt. Bereits 1936 wurde Wushu von einer chinesischen Delegation bei den olympischen Spielen in Berlin demonstriert. Erstmals wäre es fast 2008 in Beijing zu einer Aufnahme als olympische Disziplin gekommen, wurde dann jedoch nicht berücksichtigt. 2015 wurde Wushu erneut als Zusatzsport für die olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio nominiert, hatte aber gegen Sportklettern, Karate und Softball/Baseball das Nachsehen. Nichts desto trotz bleibt Wushu in einem Pool erweiterter Sportarten des Internationalen Olympischen Komitees enthalten und wurde am 08. Januar 2020 zunächst für die Olympischen Jugendspiele 2022 in Dakar zugelassen.

 

 

 

Abbildung 2: Aufbaustruktur des weltweiten Wushu (in Anlehnung an Czerni, 2011, S.16).

 

In Deutschland ist das Wushu durch eine Verbandsstruktur organisiert. In Nordrhein Westfalen gibt es einen eigenen Landesverband (Wushu Verband Nordrhein Westfalen), dem die Sportvereine direkt angeschlossen sind. Der Landesverband ist dem Bundesverband zugehörig. Aufgrund fehlender Sportvereine in den übrigen Bundesländern sind Vereine z.B. aus München, Berlin oder Wolfsburg direkt dem Bundesverband angeschlossen, da es dort keine eigenen Landesverbände gibt.

Genau wie es in anderen Sportarten zu Konkurrenz untereinander kommt muss sich das chinesische Kung Fu in den Kampfkünsten gegen eine Fülle von anderen Kampfkunst- und Kampfsportarten durchsetzen. Dabei muss es sich nicht nur gegen die aus den 1960er und 1970er Jahre bekannten und mittlerweile olympischen Disziplinen Karate oder Judo (beide japanisch) durchsetzen, sondern auch gegen neumodische Kontaktsportarten wie zum Beispiel das israelische Krav Maga, das Hong Kong’er Wing Chun, oder thailändisches und amerikanisches Kickboxen. Der Markt ist reich an Angeboten welche allesamt versprechen ein Patentrezept für Selbstbestimmtheit, einen guten Umgang miteinander, sportliche Bewegung und einen gesunden Körper zu haben. Oftmals werden dabei allerdings Werte vernachlässigt und durch Gewalt oder brutale Techniken ausgetauscht, was beides großen Schaden in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen anrichten kann.

Das chinesische Wushu ist in Deutschland viel und oft vertreten. Allerdings werden die Unterarten Kung Fu, Taiji und Qi Gong häufig getrennt voneinander oder nur separat angeboten und vermittelt. Auch werden häufig neue Namen wie z.B. Tai Chi oder Shaolin Kempo verwendet. Dies klingt einfacher oder wurde vom Leiter einer Schule so abgeändert, um sich von anderen Schulen abzuheben und etwas Besonderes anbieten zu können. Historisch gesehen kann nicht gesagt werden dass diese Vorgehensweise sehr neu ist, denn schon als Meister im Shaolin Tempel ihre Fähigkeiten weitergebildet haben, wurde diese als Stil des Meisters oder Familienstil weitergegeben (Fang, 2005, S.17).

So hat zum Beispiel der Mongole Dschero Khan Chen Tao, heute auch Gerald Meijers genannt, der u.a. bei chinesischen Mönchen und japanischen Meistern gelernt hat, das Shorinji Kempo und heutige Shaolin Kempo in den 1980er Jahren aus Asien in die Niederlande und nach Deutschland gebracht. Er mischte Kung Fu und Karate zu seinem eigenen Stil und verbreitete es als Shaolin Kempo bzw. Chen Tao Wushu. Kempo ist in Nordrhein-Westfalen am weitesten verbreitet wenn es um Kung Fu geht (Czerni, 2011, S. 14).

 

 

 

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